Bunt Gemischtes
Fundament für Ort der Menschlichkeit und Solidarität

Der Bunte Kreis erweitert mit Kinderhospiz das Angebot für Hospiz- und Palliativversorgung in Bayerisch-Schwaben.
Bunter Kreis erweitert mit Kinderhospiz das Angebot für Hospiz- und Palliativversorgung in Bayerisch-Schwaben
Fundament für Ort der Menschlichkeit und Solidarität
Stadtbergen, 26.06.2026. - Mehr als 130 Gäste und Mitarbeitende waren am Freitag bei der feierlichen Grundsteinlegung des neuen Kinderhospizes des Bunten Kreises in Stadtbergen bei Augsburg mit dabei. Seit 15 Jahren sind multiprofessionelle Teams mit medizinisch-pflegerischem sowie psychosozialem Fachpersonal, Seelsorgern und ehrenamtlichen Familienbegleitenden in Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern engagiert. Nun wird das Angebot mit einem teil-/stationären Hospiz ergänzt. Erstmals können lebensverkürzend erkrankte junge Menschen in Bayerisch-Schwaben kurzfristig stundenweise, für ein paar Tage oder für einen längeren Aufenthalt auch ohne Eltern aufgenommen und rundum versorgt werden.
Entlastung im Alltag
Angelika Lang, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Bunter Kreis, beschrieb die Bedeutung der offiziellen Grundsteinlegung: „Wir legen den Grundstein, das heißt, wir vergewissern uns, auf welches Fundament dieses Haus gebaut werden soll, welche Werte die Basis unserer Arbeit bilden. Und das gilt nicht nur für den physischen Bau, sondern auch für die Menschen, die hier arbeiten werden, die Familien, die hier Entlastung im Alltag finden und all die Menschen, die uns auf vielfältige Weise unterstützen!“
„Wir warten schon lange auf ein solches Haus für unseren Jakob“, freuen sich Alexandra und Markus D., die mit ihren drei Kindern in der ersten Reihe sitzen. Bei Jacob wurde kurz nach der Geburt vor 14 Jahren eine komplexe Hirnfehlbildung festgestellt, er kann sich allein nicht bewegen und wird seit einigen Jahren über eine Sonde ernährt. „Immer wieder kommen wir als Familie an unsere Grenzen und gleichzeitig wissen wir nicht, wieviel Zeit wir noch mit ihm haben“, beschreiben die Eltern die Zerreißprobe, unter der sie oft stehen. Am Wochenende mit den beiden Brüdern, die oft zurückstecken müssen, etwas unternehmen oder einmal als Paar zur Ruhe kommen können, das wäre eine wirkliche Entlastung für alle und würde neue Kraft für den hochbelasteten Alltag schenken.
Genau für diese Familien sei das Haus eine dringend notwendige Unterstützung, unterstrich Schirmherrin Carolina Trautner gleich zu Beginn: „Der Grundstein, den wir heute legen, steht nicht für Quadratmeter und Fassaden – sondern für Kinder, die lachen wollen, obwohl sie schwer krank sind. Für Eltern, die stark sein wollen, obwohl sie erschöpft sind. Für Familien, die Halt suchen – und ihn hier finden werden.“
Kinderhospizarbeit kein Randthema
Der CSU-Fraktionsvorsitzende Klaus Holetschek kennt und begleitet die Arbeit des Bunten Kreises schon lange und betonte die gesellschaftspolitische Bedeutung des neuen Kinderhospizes: „Kinderhospizarbeit gehört in die Mitte unserer Gesellschaft. Sie ist kein Randthema. Sie zeigt, wie menschlich, solidarisch und verantwortungsbewusst wir miteinander umgehen.“ Er würdigte insbesondere die beachtliche finanzielle Unterstützung durch den Freistaat Bayern: 1,7 Mio. Euro steuern Gesundheitsministerium, CSU-Fraktion und die Bayerische Landesstiftung insgesamt bei zu den ca. 7,8 Mio. Gesamtkosten für Bau und Einrichtung des Hauses. „Das zeigt: Bayern steht an der Seite der Kinder, Jugendlichen und Familien – und auch an der Seite derjenigen, die mit großem Engagement solche Orte der Entlastung, der Begleitung und der Menschlichkeit möglich machen“, sagte Holetschek. Es brauche verlässliche Strukturen, aber vor allem „Menschen, die hinschauen. Menschen, die Verantwortung übernehmen.“ Und dafür sei er dem Bunten Kreis und all seinen Unterstützern dankbar.
In der Vorstellung des Bauprojektes durch Geschäftsführer Markus Pfeffinger und Projektleiterin Susanne Wild wurde deutlich, dass das neue Kinderhospiz nicht nur für betroffene Familien, sondern auch für die gesamte Region ein Gewinn ist: Fast alle am Bau beteiligten Unternehmen sind in der Region ansässig und das Hospiz schafft etwa 30, bei Vollbelegung auch bis zu 50 Arbeitsplätze aus verschiedenen Berufsgruppen.
Eine Brücke zwischen Klinik und Zuhause
Von Seiten der Förderer ergriff Gabriele Erhart, Geschäftsführerin des Sternstunden e.V. das Wort: „Wir von Sternstunden sind überzeugt: Dieses Haus wird für viele Familien in Augsburg und Schwaben eine unverzichtbare Brücke sein – zwischen Klinik und Zuhause, zwischen Überforderung und Entlastung, zwischen Angst und dem Mut, jeden Tag so gut wie möglich zu leben.“ 1,5 Mio. Euro kommen von der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks für den Bau des Hauses. Sternstunden wolle so dazu beitragen, „dass ein Ort entsteht, der schwer kranken Kindern und ihren Familien Zeit, Zuwendung und ein Stück Normalität schenkt – gerade dann, wenn das Leben alles andere als normal ist.“
Grundsteinlegung mit Zeitkapsel
Nach den Grußworten wurde eine Zeitkapsel gefüllt mit Symbolen für die Werte und das ideelle Fundament, auf dem das Haus stehen soll. Neben den klassischen Elementen wie der Tageszeitung und einem Satz Münzen legte eine Familie einen Auszug aus den UN-Kinderrechten zum Recht behinderter Kinder auf besondere Betreuung und soziale Integration in die Kapsel ein. Eine Kinderärztin und eine Palliativ-Pflegefachkraft legten ein Geburtsbändchen und einen Totenschein hinein als Symbol für die ganzheitliche medizinisch-pflegerische Begleitung durch den Bunten Kreis. Von einem Klinikseelsorger und einem Pfarrer kam ein Holzengel als Symbol der geistlichen Begleitung der ganzen Familie dazu. Die Zeitkapsel wird in den Erdboden unter dem entstehenden Hospiz-Bau eingelassen. Ende 2027 soll das Brückenhaus fertig sein, die Eröffnung ist für Frühjahr 2028 geplant.
Das Kinderhospiz Brückenhaus wird unter anderem unterstützt von der Stiftung der Kartei der Not, dem Sternstunden e.V., dem Bayerischen Landesamt für Pflege, der Bayerischen Landesstiftung, dem Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention sowie der Bayerischen Demenzstrategie. Außerdem wird das Projekt mitgetragen durch Beiträge von Sponsoren und durch unzählige kleine und größere Spenden aus der Bevölkerung. Unterstützung ist weiterhin nötig für den Bau und den späteren laufenden Betrieb des Hauses.
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